La fin

Wahnsinn, in 6 Tagen ist mein Abenteuer bereits zu Ende. Ich kann es noch gar nicht glauben aber die 10 Monate, die ich in Frankreich verbracht habe, sind wie im Flug vergangen. Ich freue mich darauf meine Familie wiederzusehen, meine Freunde zu treffen und auch auf Schweizer Spezialitäten wie Älplermagronen und Läckerli.

Die letzten paar Wochen waren doch noch intensiv. Ich hatte zwar seit dem 12. Juni keine Schule mehr aber am 18. und 20 Juni und am 3 Juli habe ich noch meine Baccalauréat- Prüfungen. Die beiden schriftlichen Prüfungen in den Fächern Französisch und Naturwissenschaften habe ich bereits hinter mir und ich muss gestehen dass es meiner Meinung nach ziemlich gut gelaufen ist. Die mündliche Prüfung liegt noch vor mir, doch ich bin zuversichtlich dass am 2. Juli alles gut laufen wird. Ansonsten habe ich mich bereits von der Schule, den Lehrpersonen und den meisten Leuten verabschiedet und ich werde mich heute noch von meinen Freundinnen verabschieden, da sie bereits alle Prüfungen hinter sich und offiziell Ferien haben.

Ich versuche natürlich nebst den Prüfungen noch so viel es geht von Frankreich zu profitieren, sei es mit Ausflügen oder lokalen Spezialitäten etc. So machte ich Anfangs Juni einen Ausflug nach Bordeaux mit meiner bestes Freundin, gestern besuchte ich Nantes mit 2 Freuden, morgen werde ich nach les Sables d’Olonne an den Strand gehen und am Samstag reise ich nach Rennes um dort 2 mexikanische Freunde mit einer Kollegin zu treffen.

Bojana, Mat und ich in unserem Lieblingscafé

Georgi, Bojana und ich in Nantes (Chateau des Ducs)

 

On est en deuil, on est en fête

Der Satz “on est en deuil, on est en fête” aus dem Gedicht “On vit, on parle” von Victor Hugo beschreibt so ziemlich genau meine Stimmung im Moment. Einerseits bin ich traurig, dass mein Abenteuer bald vorbei sein wird ( genau in einem Monat!), ich alle Leute; die mir inzwischen ans Herz gewachsen sind und mit denen ich so viele tolle Momente erlebt habe verlassen werde und ich nicht weiss, ob und wann ich sie wieder sehen werde. Andererseits geniesse ich meinen letzten Monat, ich profitiere so viel es nur geht von der Kultur Frankreichs, den Spezialitäten und natürlich von meinen Freunden.

Gestern musste ich mich leider von meiner Gastschwester Karin verabschieden, die bereits nach Schweden zurückreist. Es fiel mir sehr schwer, ich vermisse sie bereits jetzt schon wahnsinnig und es fühlt sich an als wäre ein grosses Loch in meinem Herz. Als wir gestern nach der Schule zum letzten Mal in unserem Lieblingskaffe waren, konnte ich es noch gar nicht glauben dass ich sie zum letzten Mal sehe. Und mir wurde bewusst, dass es mir bald auch so gehen wird, dass ich mich bald auch von meinen Freunden, der Schule und meiner Gastfamilie verabschieden muss…

Doch es ist ja noch nicht so weit und ich habe noch so viele Ausflüge und Sachen vor. Am 12. Juni ist der letzte Schultag und danach habe ich “nur” noch meine Baccalaureat in den Fächern Französisch und Naturwissenschaften Ende Juni und Anfangs Juli. So kann ich mich ganz auf meine Prüfungen vorbereiten und trotzdem noch etwas Programm unternehmen.

Am letzten Wochenende war ich in La Rochelle, da mir die Stadt so sehr gefallen hat und ich sie unbedingt nochmals besichtigen wollte. Das Städtchen südlich von La Roche-sur-Yon hat viel zu bieten; die Altstadt mir den 4 Türmen, eine Kathedrale und viele Einkaufsmöglichkeiten.

Letzte Woche war “Semaine des Arts” in meinem Lycée, das heisst die Schüler führten Theaterstücke auf, machten Musik oder konnten ihre Kunstwerke ausstellen. Ich besuchte viele Theaterstücke, da auch viele meiner Freunde daran beteiligt waren und es herrschte eine lockere Stimmung in der Schule. Am Donnerstag fand die “Fête du Lycée” also die “Abschlussparty” statt. Um 19 Uhr ging es los mit Musik, Essen und Tanzen. Auch hier beteiligten sich viele Schüler, die Musik machten und sangen und am Schluss waren sogar die Lehrer on stage! Die Stimmung war exzellent, man tanzte und sang und ich hatte einen super Abend mit meinen Freundinnen. Nach 23 Uhr war die Party leider zu Ende da wir am Freitag ganz normal Schule hatten. Am Wochenende kamen die Eltern von meiner ehemaligen Gastschwester von Ungarn nach Frankreich und ich durfte sie endlich kennen lernen. Wir verbrachten den Tag am Strand in Les Sables d’Olonne und genossen das schöne Wetter.

 

41 days left

“Je voyage parce que la vie est courte et que le monde est immense”

Heute wurde mir (wieder einmal) bewusst wie wertvoll jeder schöne Moment ist. Gestern habe ich mir alte Fotos angeschaut, von mir, meiner Familie, Freunden, meiner Katze und den Menschen, die mein Leben geprägt haben. Dabei bemerkte ich, wieviel ich bereits erlebt (und auch wieder vergessen) habe und natürlich wie wir uns alle verändert haben. Auch wenn ich mein Fotoalbum von meinem Austauschjahr anschaue, erkenne ich mich kaum wieder.

Da mir nicht mehr viel Zeit bleibt, exakt 41 Tage ( ja ich zähle die Tage die mir noch bleiben :)) bin ich im Moment ein bisschen gestresst, da ich einerseits nicht weiss wie ich mich fühlen soll ( traurig, da es bald zu Ende sein wird und ich meine Gastfamilie und Freunde verlasse oder happy weil ich meine Familie und Freunde in der Schweiz bald sehen werde) und ich möchte unbedingt noch so viele Dinge erleben bevor ich in die Schweiz zurückkehre. So versuche ich meine Zeit möglichst noch zu geniessen, die Wochenende sind bereits alle verplant mit Reisen und Ausflügen und unter der Woche lerne ich bereits fleissig für die Baccalauréat. Meine Prüfungsdaten habe ich nun erhalten und auch hier bleibt mir nicht mehr viel Zeit um den ganzen Lernstoff nachzuholen, den meine Mitschüler seit mehreren Jahren erarbeitet haben. Doch ich bin extrem gespannt, wie meine Prüfungen verlaufen werden, da ich keinen “Bonus” als Austauschschülerin erhalte. Natürlich bin ich auch ein wenig stolz, dass ich die Möglichkeit habe die “Bac de Français écrit”, “Bac de Français orale” und die “Bac des Sciences” machen kann, da ich die erste Austauschschülerin an meiner Schule bin, die die Baccalauréat macht.

 

Über Auffahrt war ich mit meiner Gastfamilie in Bordeaux. Am Donnerstag fuhren wir frühmorgens los, da die Fahrt etwa 4 Stunden dauerte, um die “Dune du Pilat” zu besichtigen. Falls ihr noch nie davon gehört habt: Es ist die grösste Wanderdüne Europas und liegt bei Arcachon an der Atlantikküste nicht weit von Bordeaux entfernt. Zuerst mussten wir die Dune hochklettern, da es keine Treppe gab, und oben angekommen bot sich ein wunderbarer Ausblick auf das Meer links und auf der anderen Seite auf den Wald. Wir besichtigten auch Arcachon, ein bekannter Luxusbadeort mit schönem Villenviertel. Am nächsten Tag widmeten wir uns ganz Bordeaux, der Universitätsstadt im Südwesten Frankreichs und bekannt durch den Bordeauxwein. Um ehrlich zu sein, hat mich die Studentenstadt sehr beeindruckt und ich finde sie ist mit Sicherheit eine der schönsten Städte, die ich besichtigt habe. Also falls ihr die Gelegenheit findet, müsst ihr unbedingt nach Bordeaux 🙂 Ich besichtigte die Kathedrale, den “Place de la Victoire”, und natürlich die Rue St. Catherine (längste Einkaufsmeile Europas). Die spätbarocken Häuser und die vielen Sehenswürdigkeiten verleihen Bordeaux ein spezielles Flair, dazu sieht man sehr viele Studenten die mit dem Velo unterwegs sind oder am Quai entlang joggen gehen. In der Oper befindet sich zudem das Restaurant von Philippe Etchebest, einem französischer Starkoch. Ich war erstaunt wie vielseitig Bordeaux ist. Weinliebhaber, Familien, kulturell Interessierten, Studenten oder Shoppingfans, die schönste Stadt Frankreichs bietet für jeden etwas. La Dune du Pilat

Bordeaux, la Place de la Bourse

 

Am Wochenende machten meine Gastfamilie und ich eine fast 30km lange Velotour auf der Île d’Yeu. Die Insel erreicht man nur mit einem Schiff und ist ein beliebtes Ferienziel in Frankreich, da es zahlreiche schöne Strände gibt. Der Ausflug war super, ich sammelte viele Muscheln und das Velofahren tat gut. Ausserdem war das Wetter traumhaft und so fühlte es sich ein wenig an wie Ferien.

 

Endspurt

Acht Monate sind bereits vergangen und so langsam geht’s in Richtung Endspurt mit meinem Austauschjahr. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, dass ich in 2 Monaten Frankreich verlassen und wieder zurück in die Schweiz reisen werde. Wenn ich mein Fotoalbum anschaue, welches ich Ende August begonnen habe, und alle schönen Erinnerungen  und Momente vorbeiziehen, vergesse ich beinahe dass alles bald vorbei sein wird, leider.

Zurzeit habe ich Ferien ( meine “Osterferien”, da ich an Ostern keine Ferien hatte). Es ist ein komisches Gefühl, jetzt Ferien zu haben während in der Schweiz alle arbeiten oder Schule haben, doch es ist ebenso eine Gelegenheit Ausflüge zu machen und von der freien Zeit zu profitieren.

Vor einer Woche besuchte ich mit meiner Gastfamilie den Puy du Fou, ein Park mit Shows und Attraktionen, der in ganz Frankreich bekannt und nicht weit entfernt ist. Es war sehr spektakulär, gewisse Attraktionen waren mit Vögeln oder Wildtieren, und andere inszenierten den geschichtlichen Hintergrund von der Region oder Europa. Am meisten geprägt hat mich der Schützengraben des 1. Weltkriegs. Wir mussten durch einen nachgebildeten Graben laufen und erlebten hautnah die Brutalität des Kriegs mit Geschützen und Verletzten. Am Ende war ich heilfroh, als wir rauskamen, dass alles nur eine Nachbildung war. Ansonsten waren die Shows mit viel Humor, am besten gefallen haben mir die Wikinger.

Am Freitag veranstalteten ein paar Freundinnen und ich eine Überraschungsparty für eine Freundin. Schon Wochen vorher organisierten wir alles, die Dekoration, Kuchen, Kerzen etc. Wir baten sogar ihre Mutter darum, sie für eine Stunde abzulenken, damit wir im Haus alles vorbereiten konnten. Und es hat sich definitiv gelohnt, die Überraschungsreaktion war unbezahlbar und meine Kollegin war überglücklich 🙂

Gestern besuchten wir auch das Château de Tiffauges, was sehr interessant war. Auch hier gab es verschiedene Attraktionen, welche die Geschichte von Vendée näherbrachten. Es wurden die Waffen im Mittelalter erklärt und man konnte sogar eine Rüstung anprobieren. Am Nachmittag fuhren wir zu einem Dorf namens Clisson, was nicht weit entfernt war. Das spezielle daran ist, dass die Häuser nach italienischem Baustil konstruiert worden sind und dem Dorf einen italienischen Touch verleihen.

Natürlich bin ich auch nicht ganz untätig bezüglich dem Sport während meinen Ferien. Ich trainiere 3 Mal pro Woche für den Marathon und 4 – 5 Mal Kraft- und Ausdauertraining. Die sportliche Betätigung tut mir gut, ich fühle mich fitter und es gibt mir auch einen Ausgleich.

Marathon

Nach Ostern war die obligatorische Schnupperwoche und ich verbrachte 4 Tage bei meinem ehemaligen Fitnesstrainer in seinem Geschäft, was einerseits gesunde Lebensmittel verkauft aber gleichzeitig auch ein Café ist. Es war eine sehr interessante Woche, ich lernte viel über Sporternährung und durfte Smoothies mixen :). Dabei lernte ich auch den harten Alltag in der Verkäuferbranche kennen, sprich 9 Stunden am Stück stehen, keine(Mittags)pausen und unzufriedene Kunden. Abends kam ich fix und fertig nach Hause aber war trotzdem glücklich über die vielen neuen Sachen, die ich lernen durfte. Der “langweiligste” Teil war das Putzen, aber das gehört leider auch dazu denn für Restaurants gelten strikte Hygieneregeln.

Am Ende meiner Schnupperwoche natürlich noch ein Erinnerungsfoto 🙂

 

Am Sonntag fand der Bicentenaire in La Roche statt, wo ich mit meiner Gastmutter mitmachte. Wir liefen 12 km in strömendem Regen aber es war trotzdem toll. Dabei kam mir der Gedanke:”Warum nicht an einem Marathon teilnehmen?” Schon seit längerer Zeit liebe ich das Laufen und während meinem Austauschjahr hat sich meine Liebe zum Sport verstärkt, was auch an meinem intensiven Sportprogramm liegt. Nach einigen Recherchen bezüglich Training und Ernährung für einen Marathon entschied ich mich kurzerhand es einfach zu versuchen. Ich habe auch verschiedene Leute aus dem Fitnessstudio, die mich dabei unterstützen. Im November heisst es “Next stop: finish Line”! Dise Herausforderung möchte ich aus verschiedenen Gründen anpacken. Natürlich weil ich es liebe zu laufen, aber es wird auch eine psychische Herausforderung. Ich möchte meine Grenzen testen und eine echte Challenge meistern! Dieses Projekt wird eiserne Disziplin und mentale Stärke von mir fordern. Während meinem Austauschjahr dachte ich oft über mich nach und fragte mich” wer bin ich?” Ich fühle auch wie meine Ziele und Prioritäten sich verändert haben. Ich war schon immer ein ehrgeiziger Mensch, aber nun habe ich den Mut mich Projekten zu widmen, die für mich vor ein paar Monaten unvorstellbar gewesen sind. Im Juni/Juli werde ich die Baccalauréat im Fach Französisch machen und mein nächstes Ziel wird ein Marathon sein. Ich habe gelernt, dass man nicht nur “Gross denken” sondern “einfach machen” soll. Ganz nach dem Motto: “Don’t dream your life live your dream”. Ich habe nichts zu verlieren, wenn es nicht klappt ist es auch nicht weiter tragisch aber man muss es versucht haben 🙂

Wenn du gerne mehr zum Thema Marathon wissen möchtest, folge mir auf Instagram: carmenrunsmarathon , wo ich mehr über meine Ernährung und das Training berichten werde.

Joyeuse Paques

Dieses Wochenende verbrachte ich Ostern mit meiner Gastfamilie. Dabei musste ich feststellen, dass es so einige Unterschiede bezüglich Ostern in der Schweiz beziehungsweise Frankreich gibt. Ich werde euch hier einige Unterschiede erläutern;

  1. Die Schüler in der Region Vendée haben zurzeit keine Ferien! Das heisst, am Gründonnerstag und Karfreitag war ganz normal Schule (inklusive Prüfungen etc.). Doch am Ostermontag hatten alle keine Schule und somit ein verlängertes Wochenende. Das liegt daran, dass Frankreich in verschiedene Sektoren eingeteilt ist und so nicht alle Regionen gleichzeitig Ferien haben. Deshalb habe ich leider erst wieder im Mai Ferien.
  2. Gründonnerstag und Karfreitag sind zwar auch christliche Feiertage in Frankreich aber gehören nicht zu den gesetzlichen Feiertagen. So war ich ziemlich erstaunt, dass alle Geschäfte und Restaurants am Gründonnerstag und Karfreitag geöffnet hatten. Für die Franzosen beginnt das Osterfest eigentlich erst am Ostersonntag.
  3. Meine Gastfamilie erklärte mir, dass hier nicht der Osterhase die Süssigkeiten für die Kinder versteckt. Am Gründonnerstag reisen die Kirchenglocken nach Rom, um sich vom Papst den neuen Segen zu holen. Am Sonntag kehren sie mit Süssigkeiten beladen zurück, doch diese verlieren sie auf dem Heimflug. Deshalb suchen die Kinder überall im Freien nach den verlorenen Süssigkeiten. Während die Glocken unterwegs sind, können sie natürlich nicht läuten und deshalb schweigen die Glocken von Gründonnerstag bis Ostersonntag.
  4. Am Ostersonntag trifft sich die ganze Familie zum Mittagessen. Meine Gastfamilie und ich waren bei den Grosseltern eingeladen, die etwa eine Stunde von La Roche sur Yon entfernt wohnen. Natürlich gehört eine üppige Mahlzeit mit verschiedenen Gängen zum Osterfest dazu. Eine beliebte Spezialität ist das “Gigot d’agneau”, eine Lammkeule mit frischem Gemüse. Die Grossmutter erklärte mir auch, dass die ersten Spargeln als Vorspeise und frische Erdbeeren als Dessert nicht fehlen dürfen. In Frankreich ist es durchaus üblich, dass eine Festmahlzeit 5 Stunden dauern kann. So verbrachten wir den ganzen Nachmittag am Tisch beim Essen.
  5. Auch in Frankreich kennt man die Ostereiersuche, doch es werden nicht nur Schoggihasen und Eier aus Schokolade versteckt, man findet auch Glocken mit Flügeln aus Schokolade, Süssigkeiten in Form von Meeresfrüchten und Muscheln.
  6.  Der Ostermontag ist wie in der Schweiz ein Feiertag in Frankreich, aber er wird hier weniger ernst genommen. In den Städten sind zahlreiche Geschäfte geöffnet, das Problem ist nur dass die Busse an den Feiertagen nicht fahren und man so keine Möglichkeit hat, ohne Auto sich fortzubewegen.

La folie de la vie

“On m’a dit que j’étais folle, oui folle de vivre au jour le jour pleins de joie alors que la mort nous guette. Moi je leur ai répondu qu’ils étaient fous de ne pas profiter de la vie.”

Profiter de la vie- jeder hat seine eigenen Vorstellungen von Glück. Während meinem Austausch wurde mir oft die Frage gestellt ob ich denn glücklich sei hier in einem fremden Land und ohne mein gewohntes Umfeld mit meiner Familie und Freunden. Und ja, ich kann ohne schlechtes Gewissen sagen dass ich glücklich bin. Trotz vielen Umstellungen, Anstrengungen und manchmal auch ein bisschen Heimweh. Ich stellte mir auch oft die Frage: ” Was macht mich glücklich? Bin ich zufrieden mit dem was ich bereits erlebt habe während meinem Austausch und was möchte ich noch erreichen oder erleben?”

Genau diese Gedanken machte ich mir auch während den Ferien und plötzlich hatte ich einen Gedankenblitz. Wieso nicht etwas Verrücktes machen, an dass ich mich immer erinnern werde? Ich musste auch nicht lange überlegen, denn ich liebe den Strand und das Meer und ich wusste meine ehemalige Gastschwester Bojana würde sowieso zustimmen. So entschieden wir mitten im Februar bei 5 Grad einen Strandtag zu machen. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug nach Les Sables d’Olonne mit unseren Badesachen und warmer Kleidung um uns nachher wieder aufzuwärmen. Draussen war es etwa 5 Grad warm und das Meer hatte eine Temperatur von 2 Grad aber trotz den unzähligen erstaunten Blicken der Spaziergänger getrauten wir uns ins Wasser. Es war extrem kalt aber amüsant da wir die einzigen im Wasser waren fast alle Leute am Strand uns beobachteten. Natürlich machten wir auch ein Beweisfoto, um unseren Strandtag festzuhalten. Die Blicke der Einheimischen waren unbezahlbar 😉

Alles in allem war der Tag ein voller Erfolg. Nachdem unsere Badesachen wieder einigermassen trocken waren, gingen wir einen Crêpes essen um uns ein bisschen aufzuwärmen. Wieder zu Hause nach einer heissen Dusche dachte ich über den Tag nach und kam zum Schluss, dass es oft die kleinen Dinge im Leben sind, die den Unterschied machen.

Vacances d’Hiver

Schon sieben Monate bin ich nun in Frankreich und der Gedanke in 4 Monaten wieder nach Hause zu reisen erscheint mir befremdlich. Ich habe mich so sehr an das Leben hier gewöhnt, Schule, Sport und soziales Umfeld… und natürlich die Sprache! Manchmal habe ich Mühe mit meiner Familie am Sonntag beim wöchentlichen Skype zu kommunizieren und mir entfallen Deutsche Wörter.

Während die ganze Schweiz in Fasnachtsstimmung war, merkte man in Frankreich nicht viel davon. Im Westen machen nur die Kinder einen kleinen Umzug mit Kostümen durch die Stadt und wenn man so richtig Fasnacht machen will, ist der Karneval in Lille (Norden von Frankreich) eine gute Destination.

So besuchte ich in den Ferien meine beste Freundin Elena in Anisy ( in der Nähe von Caen). Wir kennen uns schon seit Ewigkeiten und sie macht ebenfalls einen Austausch in Frankreich mit derselben Organisation. Am 27. Februar reiste ich mit dem Zug nach Caen und kam gegen Mittag am Bahnhof in Caen an, wo mich Elena und ihre Gastschwester bereits erwarteten. Am Nachmittag drehten wir eine Runde in der Stadt, natürlich durfte eine Shoppingtour nicht fehlen. Ausserdem gab es viel zu erzählen, wie es uns so ergangen ist in den letzten 6 Monaten in der Schule, mit Freunde, Heimweh etc.

Am Mittwoch fuhren wir mit dem Auto nach Deauville, ein beliebter Ferienort der Pariser. Das Städchen ist sehr schön mit vielen schicken Hotels und Boutiquen. Das Wetter war aussergewöhnlich kalt und wir machten einen kurzen Spaziergang am Meer. Zum Schluss besuchten wir noch das Casino, natürlich nur um einen Blick hineinzuwerfen 🙂 Am Abend kochten Elena, Elise und ich zusammen und ich probierte zum ersten Mal Frites au Fromage ( lese Pommes mit Käse), was übrigens sehr gut ist. Ich durfte auch ein typisches Gericht mit Fisch aus der Normandie probieren, aber ich habe den Namen schon wieder vergessen.

Wir machten am Donnerstag nochmals einen Ausflug ans Meer, da Caen nicht weit vom Meer entfernt ist. Die Zeit verging leider viel zu schnell und am Freitag reiste ich bereits wieder nach Hause. Doch Elena kam mit mir nach La Roche, um meine Gastfamilie kennenzulernen und auch zu sehen wie ich so in der Region Vendée lebe. Den Freitagnachmittag verbrachten wir in Nantes. Kulturell, Kulinarisch und Historisch gesehen ist Nantes eine interessante Stadt. Es gibt viele alte und schöne Gebäude im französischen Stil in der Altstadt, eine wunderschöne Kathedrale, historische Einkaufsstrassen wie die Passage Pommeraye und das Château des ducs de Bretagne und die Machines de l’ île um einige Sehenswürdigkeiten zu nennen. Per Zufall trafen wir in einem Restaurant ebenfalls zwei Austauschschülerinnen an, die allerdings mit Erasmus in Nantes an einer Uni studieren. Es war interessant mit ihnen über den Austausch zu reden und zu diskutieren. Am Abend reisten wir dann nach La Roche, wo Elena meine Gasteltern kennen lernte.

Den Samstag verbrachten wir im Städli, wir besichtigten die Kirche St. Louis im Zentrum, den Place Napoleon und zum Schluss gingen wir in mein Lieblingscafé Grind. In La Roche gibt es viele kleine, sympathische Cafés wo ich mich am Nachmittag nach der Schule oft mit Freundinnen treffe. Allgemein wurde mir bewusst, was für eine sympathische Stadt La Roche ist; unzählige Cafés und kleine Restaurants mit regionalen Speisen und Getränken, schönes Stadtzentrum mit kleinen Läden und die erste Region wo Abfalltrennung obligatorisch ist! Das Departement Vendée ist sehr gut organisiert was den Umweltschutz und die Abfallentsorgung betrifft und ich denke die Schweiz könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Mir ist auch aufgefallen, dass hier alle Bio und auf dem Markt einkaufen. Deshalb gibt es auch unzählige Bioläden und ein grosses Sortiment an Bioprodukten im Supermarkt. Auch meine Gastfamilie achtet sehr auf Bioprodukte und auch regional und saisonal zu essen. Die Umwelt spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, wir versuchen möglichst wenig Wasser und Strom zu verbrauchen und heizen nur mit Holz, wenn es nötig ist. Der Umweltschutz hat auch Auswirkungen auf die Ernährung; es kommen nur selten tierische Produkte wie Fleisch oder Eier auf den Teller. Für mich ist dies eine riesige Erfahrung und ich wurde mir meines früheren Lebensstils bewusst. Natürlich habe ich mir auch Gedanken über die Umwelt und die Tiere gemacht, doch erst jetzt wurde mir bewusst, wie eng alles verbunden ist und dass die Ernährung auch eine Rolle im Klimawandel spielt. So weit so gut.

Am Samstagabend gingen Elena und ich ins Kino und schauten uns “La Chtite Famille” an. Der Film wurde mit denselben Schauspieler wie ” Bienvenue chez les Ch’tis” gedreht und ist eine französische Komödie mit Dany Boon.

Am Sonntag trafen meine Gastfamilie, Elena und ich meine Betreuungsperson von der französischen Partnerorganisation und wir machten eine Runde Bowling zusammen. Da ich nicht oft Bowling spiele und es nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung ist, habe ich verloren aber das war nicht tragisch es war schön etwas zusammen zu unternehmen. Am Montag reiste Elena wieder zurück nach Caen und ich begleitete sie bis nach Nantes. Der Abschied fiel mir sehr schwer denn während dieser Woche waren wir wie Schwestern. Es war als hätten wir uns gestern zuletzt gesehen und wir hatten einfach eine geniale Zeit zusammen.

À Deauville devant l’hôtel “Le Normandy”

Au bord de la mer à Deauville

Dans Le Casino à Deauville

Au bord de la mer

La Passage Pommeraye à Nantes

In der zweiten Woche verbrachte ich 4 Tage mit meiner Gastfamilie in den Pyrenäen, wo wir 2 Tage Ski fuhren.  Für all diejenigen, die sich nicht so gut mit Geografie auskennen, die Pyrenäen sind eine Gebirgskette in Frankreich an der Grenze zu Spanien. Die Fahrt dauerte 6 Stunden, und so verbrachten wir fast den ganzen Samstag im Auto. Unsere kleine Ferienwohnung war in St. Lary, einem Bergdorf mit Skigebiet. Leider war das Wetter nicht so gut, es schneite und war immer bewölkt aber das machte mir (noch) nichts aus denn ich wollte unbedingt die französischen Berge entdecken. Am Samstag konnte ich auch meine Skiausrüstung abholen was ziemlich amüsant war, denn ich kam ins Gespräch mit dem Verkäufer und da er sich so für die Schweiz interessierte, lernte ich ihm einige Ausdrücke auf schweizerdeutsch wie Chuchichästli. Am Sonntag ging es dann zum ersten Mal auf die Ski. Für mich war es komisch, in Frankreich Ski zu fahren und ich bemerkte schnell, einige Unterschiede zwischen der Gastfamilie und mir. Ich zum Beispiel bin es mir gewöhnt in bis zu 3600 Metern zu Skifahren, doch für meine Gastfamilie war 2000 Meter bereits sehr hoch und sie waren nicht so an die Berge gewöhnt. Da ich natürlich meine Skiausrüstung nicht nach Frankreich mitnehmen konnte, musste ich mich irgendwie organisieren und hatte daher keine Skibrille (was durchaus von Vorteil gewesen wäre!). Ich sah so gut wie gar nichts auf den Pisten, da die Sonnenbrille gegen Schnee und Wind nichts nützte. Einmal musste ich anhalten wegen einem heftigen Schneesturm und verlor meine Gastfamilie aus den Augen. Doch zum Glück warteten sie am Ende der Piste auf mich und alles ging gut aus. Am Montag war das Wetter etwas besser, und wir genossen den letzten Tag auf der Skipiste. Am Abend gingen wir im Dorf spazieren und amüsierten uns mit den Souvenirs. Am Montag ging es dann auch schon wieder zurück nach La Roche sur Yon.

 

 

Let it snow…

Letzte Woche hat es geschneit, nur etwa 1cm aber das reichte aus um die Schule ausfallen zu lassen und ein Verkehrschaos auszulösen. Da es in meiner Region sehr selten schneit ( das letzte Mal vor 5 Jahren), waren die meisten Franzosen wegen dem bisschen Schnee total aufgeregt und gestresst. Für mich war es einfach nur lustig weil wir Schweizer es gewöhnt sind und es nicht so schnell ein Chaos gibt. Am Nachmittag war der Schnee auch schon wieder weg, aber es blieb die ganze Woche sehr kalt.

Am Samstag ging ich mit meiner Gastfamilie nach Angers und wir besichtigten das Schloss und die Altstadt. Das Schloss ist sehr schön, ein bisschen wie in einem Disneyfilm mit einem Garten der wie ein Mandala angeordnet ist. In der Innenstadt hat es viele historische Gebäude und interessante Läden also eine perfekte Shoppinggelegenheit. Da Angers eine Studentenstadt ist mit einer recht beliebten Universität, hat es viele kleine Restaurants und Bars im Zentrum und auch eine schöne Kathedrale.

Da meine Gastschwester nun die Familie gewechselt hat, bin ich nun die einzige Austauschschülerin in der Gastfamilie. Am Anfang ist es ein bisschen komisch, da wir am Anfang zu dritt waren und es jetzt plötzlich so ruhig ist, aber so konnte ich eine gute Beziehung zu meiner Gastfamilie aufbauen. In nächster Zeit werden wir viele Ausflüge machen, während der Ferien werde ich nach Caen reisen um eine sehr gute Freundin zu besuchen und anschliessend ein Wochenende Ski fahren mit meiner Gastfamilie.

 

day154

.Dieses Wochenende habe ich viel für die Schule gearbeitet ,wir haben im Moment viele Gruppenarbeiten und Vorträge in der Schule und ich nutzte das Wochenende um daran zu arbeiten. Am Freitag war ich an einem Konzert von meiner Gastschwester in Nantes. Als es fertig war, hatte mein Zug über eine Stunde Verspätung und ich wusste nicht, wie ich nach Hause kommen soll. Doch schlussendlich nach fast 2 Stunden warten kam ich doch noch nach Hause wenn auch spätabends.

In der Schule läuft alles gut, ich verstehe nun alles und kann auch aktiver am Unterricht teilnehmen. Die nächste Woche müssen wir unsere “Travaux Personnels Encadrés”, kurz TPE genannt, abgeben. Das war ebenfalls eine Gruppenarbeit, für die französischen Schüler ist das eine Arbeit die für die Bac zählt. Meine Gruppe arbeitet an einem Comic über die Unabhängigkeit von Katalonien und wir müssen unser Thema auch mündlich präsentieren. Leider werde ich nicht wie gewünscht die französische Bac machen können im Juni/Juli da ich bei der mündlichen Prüfung bereits nicht mehr in Frankreich sein werde. Doch ich konnte ein Englischdiplom machen und warte noch auf die Ergebnisse. Ich  werde ebenfalls das DELF im Niveau B2 machen (leider das höchste verfügbare Level in der Schule).

Am Wochenende wird meine Gastschwester Karin die Familie wechseln, da es in ihrem Programm so vorgesehen ist. Ich finde es schade, wir hatten eine gute Zeit zusammen. Zum Glück sehen wir uns in der Schule und können auch etwas zusammen unternehmen. Am Samstag werde ich vielleicht mit meiner Gastfamilie nach Angers gehen und das Château und die Innenstadt besichtigen wenn das Wetter gut ist, denn diese Woche wird es vielleicht schneien.

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